Gralssuche

Schon vor über 20 Jahren begann ich mit Studien zur Artussage und zur Gralsliteratur. Beide von mir veröffentlichten Bücher enthalten bereits Bezüge zu diesen Themen, doch ich spürte, daß dies noch nicht alles war, daß da noch mehr aus mir heraus wollte. Im März 2017, nur wenige Tage nach der Geburt meines Sohnes Janko, wurde ich mit einem wunderbaren Traum beschenkt, der mir zur Inspiration für ein neues Buch wurde. Seitdem nenne ich es mein "Gralsbuch" - und da der Gralssucher in keltischer Tradition derjenige ist, der die Wasser befreit, heißt es im Untertitel: "He, who frees the waters". 

29.03.2017
Traum vom Kirschwasser

Im Traum ein Kriegsschauplatz. Granatexplosionen in Israel. Traumatisierte Menschen. Jüdisches Schicksal. Schuldgefühle. Bedrückung. Schwermut. Daraus erwachsend meine Aufgabe: als Lichtauslöscher soll ich mir mein täglich Brot verdienen. Also versuche ich diesem Auftrag (von woher?) gerecht zu werden. Schon viele Jahre übe ich diese Tätigkeit aus, doch nun plötzlich will es mir nicht mehr gelingen. Das Licht brennt unaufhörlich und ich finde den verdammten Lichtschalter nicht um es zu löschen, was mich in Panik versetzt. Die Innenräume verlassend gelange ich nach draußen, ins Offene, und sehe mich in einer aussichtslosen Lage. Die Sonne scheint, sie steht leuchtend hell im Zenit über mir. Da sage ich wie bei einer Kapitulation: "Es ist die Sonne. Ich kann das Licht nicht löschen. Es steht nicht in meiner Macht."
Statt mich zu freuen über den Lichtzuwachs, erlebe ich ihn zunächst als Niederlage. Auslöschung und Schwarzseherei sind gescheitert und mit ihnen mein bisheriger Lebensentwurf. Doch schließlich lasse ich ab von der verkrampften Sisyphosarbeit und füge mich der nahenden Wendezeit. Wärmende Sonnenklarheit kündet sich an und mit ihr eine ungeahnte Lebensfülle. Im Zeichen der Sonne soll eine Krönung stattfinden. Ein langer Prozessions-Zug von Menschen ist bereits unterwegs. Ich bin mitten unter ihnen. Zu meiner Überraschung wird mir die Führungsrolle zugewiesen, als sollte ich selbst gekrönt werden und endlich aus dem schwermütigen Schatten-Versteck heraustreten. Alle anderen versammeln sich zu einem Bund und folgten mir, wohin ich auch gehe. Es ist mir aufgetragen den Ort der Niederlassung selbst zu wählen. Nur ich selbst kann nach der Zersplitterung als Einheitsstifter auftreten. Ich bitte eine alte, königliche Frau um Rat, die mich jedoch auf mich selbst verweist, als wollte sie zurücktreten um mir das Zepter zu überlassen. Von niemand anderem ist war Orientierung und Entscheidungsgewalt zu erwarten. Ich allein muß mich entschließen und mich auf den Weg machen. Da laufe ich beherzt los, die städtischen Gebiete verlassend. Der Weg führt in die Natur. Vorbei an Wiesen und Feldern, bis ich zu einer alten Holzbank gelange. Sie wirkt schlicht und urtümlich, wie aus einem Baum geschnitten. Links davon ein Gras-überwachsener Burggraben und Mauern einer alten Gralsburg. Rechts neben der Bank ein sprudelnder Wasserlauf mit grünendem Baum, wie eine kleine Oase. Ich spüre fragend in mich hinein: "Ist dies der gesuchte Ort?" Intuitiv findet das Bauchgefühl Bejahung. Der Ort trägt den Namen "Kirschwasser", angelehnt an die im Wasser schwimmenden Kirschblüten. Hier lasse ich mich nieder. Es ist mein Ort zum DA-Sein. Mir folgend kehrt nach und nach der gesamte Prozessionszug ein. Ich beginne den Tisch zu decken und stelle Essen und Trinken für alle bereit. Meine Krönung kann endlich beginnen und mit ihr die Weihe des Ortes und die Feier des Lichts.